Taco Bell Rush im Wilden Westen - Teil 1
Besuch aus der Schweiz
Schon als ich Janic, Lars und Noel von meinen Plänen für ein Austauschjahr an einer amerikanischen Uni erzählte, versprachen alle drei, mich besuchen zu kommen. Mit der Spring Break bot sich dafür eine passende Gelegenheit: Ich hatte frei, und wir konnten gemeinsam auf Fotoreise gehen. Dass es in den Westen der USA gehen sollte, stand bald fest. Einige Fotostellen dort hatten wir schon länger im Kopf, und bei früheren Besuchen war längst nicht jedes Wunschbild gelungen.
Für eine Weile durfte der Uni-Alltag also den Zügen Platz machen. Vor allem freute ich mich aber darauf, meine Kollegen nach mehreren Monaten wiederzusehen und mit ihnen unterwegs zu sein. Als Treffpunkt hatten wir Los Angeles vereinbart. Dort wollten wir unser Mietauto übernehmen und die gemeinsame Reise beginnen.
12. März 2026
Auf dem Weg nach Los Angeles
Am 12. März machten wir uns von beiden Seiten des Atlantiks auf den Weg nach Los Angeles. Janic und Lars flogen mit Swiss direkt aus der Schweiz nach LA. Für mich ging es zuerst mit dem Bus von Indiana nach Chicago und anschliessend mit United Airlines weiter nach Los Angeles.
Eine Onlineprüfung brachte meinen Zeitplan allerdings schon vor der Abreise durcheinander. Der Dozent hatte sie kurzfristig und ohne Vorwarnung auf den Donnerstagnachmittag verschoben. Statt gemütlich am Nachmittag mit dem «Reindeer Shuttle» nach Chicago zu fahren, musste ich deshalb bereits am frühen Morgen los. So konnte ich die Prüfung wenigstens am Flughafen schreiben und musste nicht darauf hoffen, dass der Natelempfang im Bus bis zur letzten Aufgabe durchhielt.
Auch die Lage an der Sicherheitskontrolle liess sich schlecht einschätzen. Wegen des damaligen Government Shutdowns erhielten die TSA-Mitarbeitenden keinen Lohn. Personalausfälle führten an manchen Flughäfen zu stundenlangen Warteschlangen. Wie es in Chicago aussah, wusste ich nicht. Ein grosszügiger Zeitpuffer konnte also ohnehin nicht schaden.
So stand ich noch vor Tagesanbruch in kurzen Hosen und bei Minustemperaturen am Abholpunkt des Reindeer Shuttle. Die genaue Uhrzeit habe ich vergessen, die Dunkelheit und die Kälte weniger. Als der Bus endlich eintraf, nahm ich meinen Platz ein und döste noch etwas weiter.
In Chicago löste sich die Sorge wegen der Warteschlangen schnell in Luft auf, schon nach wenigen Minuten war ich an der Reihe. Dafür sorgte der Inhalt meines Handgepäcks für etwas Stirnrunzeln. Darin hatte ich eine Drohne samt Zusatzakkus, zwei grosse Powerbanks, eine Starlink-Satellitenschüssel, einen Campingstuhl, ein iPad, einen Laptop und etliche Ladekabel untergebracht. Aufgegebenes Gepäck hatte ich keines. Dass das ganze auch deutlich zu schwer war, überraschte zumindest mich nicht.
Nachdem alles genau unter die Lupe genommen worden war, durfte ich weiter zu den Gates. Bis zum Boarding blieben nun «nur» noch sechs Stunden. Die vergingen erstaunlich schnell: Zuerst erledigte ich die letzten Hausaufgaben, dann schrieb ich die Onlineprüfung, und schon bald wurde mein Flug aufgerufen.
Beim Boarding wurde ich nochmals kurz nervös. Mein Handgepäck war schliesslich nicht nur zu schwer, sondern auch zu gross. Die Mitarbeitenden am Gate schenkten dem jedoch keine weitere Beachtung. Wenig später sass ich im Flugzeug nach Los Angeles. Der Flug verlief wie gewohnt problemlos, und am Buffet im Heck des Flugzeugs konnte ich mich sogar noch mit Stroopwafeln eindecken.
Wiedersehen in Los Angeles
Ob ich die beiden Herren tatsächlich am Flughafen antreffen würde, war allerdings noch nicht ganz sicher. Zumindest in Janics Vorstellung. Er reiste zum ersten Mal in die USA ein und hatte sich im Vorfeld etwas zu ausgiebig von TikTok auf die Einreise vorbereiten lassen. Entsprechend gross waren seine Sorgen wegen der Immigration. Gedanklich hatte er bereits eine oder zwei Nächte in einer amerikanischen Zelle eingeplant.
Lars beschäftigte derweil eine ganz andere Frage: Würde Janic am Reisetag mit seinen berüchtigten hautfarbenen kurzen Hosen auftauchen? Schliesslich war noch «Winter», und gerade zum Reisen fand Lars kurze Hosen deshalb etwas seltsam. Gemäss eigenen Angaben hat er von April bis September nichts dagegen. Wir hatten allerdings erst März. Janic hielt dem entgegen, dass in LA zu dieser Jahreszeit ohnehin schon die Mehrheit mit kurzen Hosen unterwegs sei. Über die angemessene Reisebekleidung herrschte zwischen den beiden also keine Einigkeit.
Umso erleichterter war Lars, dass Janic die hautfarbenen Hosen tatsächlich zum Reiseantritt nicht montiert hatte. Gerade dieses Exemplar ist ihm in Janics Begleitung jeweils besonders peinlich, aus Gründen, die sich mir bis heute nicht erschliessen. Ganz zufrieden war Lars trotzdem nicht: Janic erschien einfach in anderen kurzen Hosen.
Zur Beruhigung von Janics Einreisesorgen hatten die beiden vorsichtshalber noch ein Hotel in LA gebucht. So konnten sie dem Officer eine Unterkunft für ihre erste Nacht angeben. Die Buchung kam bei der Einreisekontrolle offenbar tatsächlich zur Sprache. Wie viel sie letztlich zur problemlosen Einreise beigetragen hatte, darüber sind sich die beiden bis heute uneinig.
Schliesslich kamen beide ohne Komplikationen durch die Kontrolle. Janics Befürchtungen hatten sich damit zum Glück nicht bewahrheitet, und die TikTok-Schreckensszenarien durfte er zumindest für seine eigene Reise unter «Fake News» ablegen. So sah ich am Flughafen in LA nach langer Zeit endlich die beiden Herren aus der Schweiz wieder.
Noel fehlte allerdings. Eine Flugreise kam für ihn nicht infrage, weshalb er ursprünglich mit einem Kreuzfahrtschiff nach Amerika hatte reisen wollen. Seltsamerweise hatte er diesen Plan am Ende dann doch wieder verworfen.
Für Lars und Janic hielt das Wiedersehen eine kleine Überraschung bereit: Ich war offenbar grösser, als sie mich in Erinnerung hatten. Unser Gruppenchat war im vergangenen halben Jahr vor allem von «Small Jokes» geprägt gewesen, also von Witzen über meine eher bescheidene Körpergrösse. Offenbar war ich in ihren Köpfen mit jedem Spruch noch ein Stück geschrumpft. Besonders Janic, der eifrigste Lieferant solcher Witze, staunte nicht schlecht, als ich ihm plötzlich beinahe auf Augenhöhe gegenüberstand.
Bevor die Reise richtig beginnen konnte, mussten wir unser Mietauto abholen. Im Vorfeld hatten wir alle eine AAA-Mitgliedschaft gelöst. Als überzeugte Frugalisten, oder wie auch immer Lars das genannt hatte, wollten wir schliesslich keinen Rappen mehr bezahlen als nötig. Mit der Mitgliedschaft sollten bei Hertz sowohl der Jungfahrerzuschlag als auch die Gebühren für zusätzliche Fahrer entfallen.
Die Dame am Schalter wusste davon allerdings nichts. Also durfte ich mein inzwischen etwas geübteres Englisch unter Beweis stellen und ihr die entsprechenden Stellen auf der Hertz-Webseite vorlesen. Nach einigem Hin und Her klappte es doch noch, und wir konnten unseren Buick Enclave entgegennehmen.
Durch die Nacht nach Utah
Als wir die Mietautostation verliessen, begann es bereits zu dämmern. Zunächst kämpften wir uns durch den berüchtigten LA-Traffic, der ohne Assistenzsysteme bekanntlich kaum zu bewältigen ist. Sorry, Insider. Danach ging es Richtung Las Vegas.
Etwas ausserhalb von LA war Zeit für einen ersten Zwischenhalt und etwas zum Znacht. Wir entschieden uns für traditionell chinesische Küche: Orange Chicken bei Panda Express. Anschliessend deckten wir uns bei Walmart mit Vorräten ein. Unter anderem gingen für Energy-Drinks alleine rund 30 Dollar über den Ladentisch, dazu kamen etwas Wasser und ein paar Snacks. Damit waren wir für die Weiterfahrt Richtung Sin City gerüstet.
Die Stunden auf der Strasse vergingen erstaunlich schnell. Kurz nach Mitternacht erreichten wir Las Vegas und liessen es uns nicht nehmen, einmal kurz den Strip abzufahren. Als wir die Stadt langsam wieder hinter uns liessen, entdeckte Janic noch den «Bölle», besser bekannt als die Sphere. Die Bezeichnung sorgte für einen weiteren Lacher, bevor wir unseren Weg Richtung Utah fortsetzten.
13. März 2026
Ein lang ersehntes Motiv
Mit der Morgendämmerung erreichten wir Green River. Rund zehn Stunden Fahrt durch die Nacht lagen hinter uns. Entsprechend ausgeschlafen waren wir.
Green River hatten wir alle schon seit Jahren im Kopf, besonders Lars und ich. Seit wir Peter Hürzelers Aufnahme der «Mondlandschaft» auf Bahnbilder.ch entdeckt hatten, wollten wir dieses Motiv selbst fotografieren. Wir waren beide schon mehrmals hier gewesen, doch bisher hatte es nie geklappt. Mal war Amtrak zu spät dran, mal spielte das Wetter nicht mit, mal kam etwas anderes dazwischen.
Auch diesmal musste das ersehnte Bild vorerst warten. Zunächst standen die Morgenaufnahmen auf dem Programm. Wir holten uns bei Love’s etwas zum Zmorge und fuhren anschliessend zur ersten Fotostelle, wo wir den ostwärts fahrenden California Zephyr erwarteten.
Zwei alte Damen auf dem Weg nach Moab
Das erste Bild war im Kasten. Nun warteten wir auf unser eigentliches Ziel an diesem Morgen: den Potash Local. Der lokale Güterzug fuhr einmal pro Woche mit seinen Silowagen zur Mine bei Moab.
Während wir warteten, bekamen wir Gesellschaft. Ein freundlicher Herr aus Salt Lake City begrüsste uns auf Englisch. Nach wenigen Sätzen stellte sich heraus, dass wir uns ebenso gut auf Deutsch unterhalten konnten: Er kam aus Deutschland, arbeitete bei Stadler in Salt Lake City und war, genau wie ich, für rund ein Jahr in den USA.
Vor dem Potash Local zeigte sich erst noch die BNSF mit einem Kesselwagenzug.
Schon bald tauchte der Potash Local auf, zu unserer Überraschung mit Altbau an der Spitze. Zwei SD40N der Union Pacific führten den Zug. Oder, um den passenden Fachausdruck zu verwenden: zwei «alte Damen».
Wir folgten dem Zug bis zur Mine bei Moab und konnten unterwegs einige schöne Aufnahmen machen.
An der Mine beobachteten wir noch eine Weile die Zugbewegungen. Anschliessend brachten wir uns etwas weiter östlich für die Rückfahrt in Position. Die erste Aufnahme gelang beim Corona Arch.
Auf dem weiteren Weg entlang der Cane Creek Subdivision zurück zur Hauptlinie wäre der Zug im Gegenlicht unterwegs gewesen. Deshalb fuhren wir direkt nach Thompson Springs weiter. Dort statteten wir dem örtlichen 7-Eleven einen Besuch ab, bevor wir erneut unsere Position bezogen. Nach einiger Wartezeit fuhr uns der Potash Local auch hier nochmals vor die Linse.
Die Mondlandschaft muss warten
Nach dem Potash Local wollten wir uns endlich dem Motiv widmen, das uns schon so lange beschäftigte: der «Mondlandschaft» bei Green River. Doch Amtrak machte uns einmal mehr einen Strich durch die Rechnung. Der California Zephyr war verspätet, und inzwischen begann sich auch das Wetter zu verschlechtern. Die Aussichten auf unser Wunschbild wurden damit zunehmend bescheiden.
Statt weiter auf gut Glück auszuharren, widmeten wir uns der Planung für den nächsten Tag. Eine Entscheidung zu treffen, war wie so oft alles andere als einfach. Nach ausgiebiger Diskussion beschlossen wir schliesslich, noch ein Stück Richtung Las Vegas zurückzufahren und unterwegs eine Unterkunft für die Nacht zu suchen.
Nach einem reichhaltigen Znacht in einem Steakhouse landeten wir in einem Super 8, irgendwo am westlichen Ende der Interstate 70. Dort tauschten wir die Autositze endlich wieder gegen richtige Betten.
14. März 2026
An die Southern Transcon
Für unsere Verhältnisse begann der Samstag gemütlich. Wir stärkten uns beim Zmorge im Super 8 und sassen schon bald wieder im Buick. Unser Ziel war eine Fotostelle an der Southern Transcon bei Kingman in Arizona. Für Europäer eine halbe Weltreise, für Amerikaner ein Katzensprung.
Kurz vor Las Vegas legten wir einen ersten Halt bei Love’s ein. Unser durstiger Buick bekam einige Liter Benzin, während wir uns am Roller Grill verpflegten.
Rund 600 Kilometer und einige Stunden später erreichten wir Kingman. Nach einem kurzen Besuch bei Walmart bezogen wir unsere erste Fotostelle. Dank einiger Webcams in der «Umgebung», also ein paar Hundert Kilometer entfernt, konnten wir ungefähr abschätzen, was uns erwarten würde. Die ersten Kandidaten liessen dann auch nicht lange auf sich warten.
Wer sich mit den amerikanischen Bahnen etwas auskennt, weiss, dass es auf dieser Strecke selten an Verkehr mangelt. So konnten wir im Laufe des Nachmittags mehrere Ansichten umsetzen, bevor wir weiter nach Osten in Richtung Valentine zogen.
Gesellschaft am Highway
In Valentine machten wir es uns auf einem Erdhügel bequem. Wir warteten auf zwei Züge, die schon vor einiger Zeit die Webcam bei Flagstaff passiert hatten. Von unserem Adlernest aus hatten wir auch den Buick im Blick, den wir bei einer Ausfahrt am Highway parkiert hatten.
Plötzlich tauchte ein Arizona State Trooper auf und drehte einige Runden um unser Auto. Das machte uns etwas unruhig. Die Fotostelle wollten wir deswegen aber noch nicht verlassen. Vielleicht führte er bloss Geschwindigkeitskontrollen durch, dachten wir, und wandten unsere Aufmerksamkeit wieder der Bahnstrecke zu.
Als ein zweiter Trooper eintraf, wurden wir doch wieder hellhörig. Erst jetzt stieg auch die Person aus dem ersten Fahrzeug aus und entpuppte sich als Trooperin. Offenbar wartete man hier lieber auf Verstärkung, bevor man ausstieg. Zumindest machte es auf uns diesen Eindruck.
Gemeinsam nahmen die beiden unseren parkierten Buick unter die Lupe. Wir blieben auf unserem Hügel vorerst unentdeckt. Schliesslich beschlossen wir, ihnen zuzuwinken. Irgendwann wurden sie auf uns aufmerksam und fragten, ob es uns gut gehe und alles in Ordnung sei. Wir bejahten, worauf die beiden wieder verschwanden. Was genau an unserem Auto ihre Aufmerksamkeit geweckt hatte, können wir uns bis heute nicht erklären.
Die beiden vermissten Güterzüge zeigten sich schliesslich ebenfalls noch.
Danach wechselten wir ein letztes Mal die Fotostelle. Die Sonne stand bereits tief, aber auf ein Abschlussbild hofften wir noch. Tatsächlich klappte es, im allerletzten Licht und praktisch ohne Reserve. Natürlich musste genau dann auch noch ein Gegenzug ins Bild fahren. Mit etwas Geduld liess sich dieser Gegenzugschaden später zum Glück wieder entfernen.
Orange Chicken statt Steak
Damit stand die nächste Lagebesprechung an: Wohin sollte es morgen gehen? Weiter nach New Mexico, zurück nach Kalifornien oder noch einen Tag in der Gegend um Kingman bleiben? Schliesslich entschieden wir uns für Kalifornien und nahmen noch am selben Abend die Fahrt nach Barstow in Angriff.
Unterwegs wollten wir uns bei Outback Steakhouse ein Steak gönnen. Als wir die ausgesuchte Filiale ansteuerten, fanden wir uns allerdings plötzlich in einer Art Billigkopie von Las Vegas wieder. Das Restaurant lag mitten in einem in die Jahre gekommenen Casino.
Wir parkierten den Buick im Parkhaus und suchten den Food Court. Bei Outback folgte die Ernüchterung: Die Wartezeit auf einen Tisch betrug ganze zwei Stunden. Unser Steak wurde deshalb kurzerhand durch eine weitere Portion Orange Chicken bei Panda Express ersetzt. Danach ging es weiter nach Barstow.
Dort füllten wir zuerst den durstigen Buick auf und quartierten uns anschliessend im Best Western ein. Zu unserer Überraschung war es ein richtiges Bähndler-Hotel: Der Parkplatz stand voller BNSF-Unterhaltsfahrzeuge, darunter etliche High-Railer. Bleibt nur zu hoffen, dachten wir, dass deren Besatzungen morgen nicht ausgerechnet die Strecke für Unterhaltsarbeiten stilllegen würden.
15. März 2026
Am Cajon Pass
Auch an diesem Morgen konnten wir für unsere Verhältnisse lange schlafen. Die erste Fotostelle lag nicht allzu weit entfernt: Es ging an den Cajon Pass. Über die drei bis vier Gleise läuft praktisch der gesamte Güterverkehr nach Los Angeles. An Zügen sollte es uns also auch heute nicht fehlen.
Zunächst verlangte uns allerdings die Anfahrt etwas Geschick ab. Über die Offroadstrassen rund um den Pass kämpften wir uns zur Fotostelle vor. Dort angekommen, dauerte es nicht lange, bis die ersten Züge auftauchten und wir die ersten Bilder auf den Sensor brennen konnten.
Immer wieder waren auf den Pisten auch Pick-ups mit der Aufschrift «Savage III» unterwegs. Eine Google-Suche verriet uns, dass es sich um eine private Sicherheitsfirma handelte, die im Auftrag von BNSF die Strecke sicherte. Das fanden wir etwas speziell und machten uns erneut Gedanken darüber, ob unsere Anwesenheit wohl erwünscht war. Wir liessen uns den Spass aber nicht verderben und fertigten noch ein paar Bilder aus anderen Blickwinkeln an.
Wie sich herausstellte, sollten die Sicherheitsleute vor allem verhindern, dass Diebe die Züge ausraubten. Eine Information, die unsere verwöhnten Schweizer Hirne erst einmal verarbeiten mussten. So etwas gab es also tatsächlich. In der Schweiz sind wir in dieser Hinsicht schon ziemlich verwöhnt. Als uns einer der Sicherheitsleute freundlich zuwinkte, waren unsere Bedenken endgültig verflogen.
Praktische Weinkunde bei Olive Garden
Das Zmittag fiel heute traditionell italienisch aus: Wir gingen zu Olive Garden. Dort sah ich die Gelegenheit gekommen, meine neu erworbenen Kenntnisse aus dem «Wine Appreciation»-Seminar, das ich gerade an der amerikanischen Uni besuchte, unter Beweis zu stellen.
Ich überzeugte Lars, mit mir eine Flasche Zinfandel zu teilen, in der festen Erwartung, einen Rotwein serviert zu bekommen. Wie sich herausstellte, lässt sich aus dieser Traubensorte aber auch Rosé herstellen. Vermutlich hätte ich im Unterricht doch etwas besser aufpassen sollen.
Nach einer reichlichen Vorspeise kamen die Hauptgänge: Janic hatte sich für die «Tour of Italy» entschieden, Lars begnügte sich mit Alfredo mit grilliertem Poulet, und für mich gab es eine kleine Portion Fettuccine Alfredo ohne Erbsen.
Nachdem wir unser italienisches Zmittag bewältigt hatten, kehrten wir an den Cajon Pass zurück. Die erste Aufnahme konnten wir direkt von der Hauptstrasse aus bei den «Mormon Rocks» anfertigen. Die Mormonen meinten es gut mit uns, denn wir wurden gleich mit zwei Zügen in kurzem Abstand beglückt.
Ein weiterer Ausflug über die Offroadpisten brachte uns zu den nächsten Motiven. Wir konnten noch einige Aufnahmen machen, ehe die Sonne schon wieder unter dem Horizont verschwand.
Zum Znacht stand dann mexikanisch auf dem Programm: Taco Bell. Zugegeben, wir mussten uns erst etwas überwinden. Die zahlreichen Taco-Bell-Memes hatten ihre Spuren hinterlassen. Zu unserer Überraschung überstanden wir den Besuch aber alle ohne die berüchtigte «explosive diarrhea». Wir waren beeindruckt.
Für die Nacht kehrten wir erneut ins Best Western zurück. Auf unseren Fotoreisen kommt es immer wieder vor, dass wir abends in einem Hotel einchecken, das wir am Morgen erst verlassen haben. Etwas unangenehm wird es jeweils dann, wenn einen der Mitarbeiter an der Réception wiedererkennt.
«Weren’t you here yesterday?»
«Yes, we spent the day in the area.»
Damit war die Sache zum Glück schnell geklärt, und wir bekamen unsere Zimmerschlüssel. Auch der Buick musste die Nacht nicht allein verbringen: Auf dem Parkplatz leisteten ihm erneut einige BNSF-High-Railer Gesellschaft.
16. März 2026
Von Ludlow über Bagdad nach Siberia
Beim Frühstück stellten wir fest, dass der Southwest Chief stark verspätet unterwegs war. Damit würde er den Cajon Pass für einmal bei Sonnenlicht erreichen. Es folgten längere Überlegungen und eine Suche nach einer passenden Fotostelle. Schliesslich entschieden wir uns aber dagegen, unser Morgenprogramm auf den Amtrak auszurichten. Stattdessen ging es östlich von Barstow erneut an die Southern Transcon.
Den ersten Zug verhafteten wir von einem Erdhügel aus bei Ludlow.
Danach fuhren wir weiter nach Osten. Trotz unseres gemütlichen Tempos und eines Tankstellenhalts holten wir denselben Zug wieder ein und konnten ihn bei Bagdad ein zweites Mal fotografieren. Zugegeben: Ausschlaggebend für diese Stelle war weniger das überragende Motiv als vielmehr der Ortsname.
In der Ferne zeichnete sich bereits der nächste Kandidat ab, ein westwärts fahrender Güterzug mit einer gemischten Bespannung aus UP- und BNSF-Lokomotiven. Einige Kurven von Bagdad entfernt, bei Siberia, hielten wir ihn mit der Drohne fest.
Anschliessend fuhren wir zurück nach Ludlow, um den Zug ein zweites Mal zu erwischen. Wir warteten eine ganze Weile, doch er wollte sich nicht zeigen. Stattdessen kamen andere Züge, und die Sonne wanderte langsam aus dem passenden Winkel.
Schliesslich brachen wir den Versuch ab. Kaum waren wir wieder auf der Interstate unterwegs, entdeckten wir dann doch noch den gesuchten Zug.
Ein Wettlauf zur Brücke bei Needles
Nun zog es uns weiter nach Osten, genauer nach Needles. Dort standen noch einige Fotostellen weit oben auf unserer Liste. Zuerst verpflegten wir uns aber nochmals beim Mexikaner.
Während des Essens entdeckten wir auf der Webcam bei Kingman einen Getreidezug mit CPKC-Bespannung. Den wollten wir unbedingt an der grossen Brücke vor Needles fotografieren. Also wanderten die restlichen Tacos im Eiltempo in den Magen, und wir machten uns auf den Weg zum Auto.
Zeitlich ging unser Plan gut auf. Leider machte uns ein ostwärts fahrender Güterzug einen Strich durch die Rechnung und versperrte die Sicht auf den Getreidezug. Wir blieben noch etwas an der Brücke und versuchten unser Glück anschliessend mit einem Double Stack.
Nach dem verpassten Kalenderbild war unsere Stimmung etwas im Keller. Etwas genervt begaben wir uns zur nächsten Fotostelle. Lars kannte sie bereits und hatte uns von der anspruchsvollen Zufahrt erzählt. Bei seinem letzten Besuch war er mit einem Jeep Wrangler mit Allradantrieb unterwegs gewesen. Mit unserem frontgetriebenen Buick schätzte er die Chancen, bis zur Stelle zu gelangen, eher gering ein.
Wir beschlossen deshalb, von der anderen Seite zuzufahren und einfach zu schauen, wie weit wir kamen. Schon auf dem Hinweg begegnete uns ein erster Double Stack. Wir sprangen aus dem Auto und erklommen kurzerhand den nächstgelegenen Hügel.
Danach arbeiteten wir uns weiter zur eigentlichen Fotostelle vor. Zu unserer Überraschung liess sie sich von dieser Seite erstaunlich gut erreichen. Dort konnten wir sowohl einen Getreidezug als auch einen Double Stack aufnehmen.
Zufrieden kehrten wir zum Buick zurück und versuchten gleich noch eine zweite Ansicht ganz in der Nähe. Auch hier gelang uns ein Bild mit einem weiteren Double Stack.
Ein letzter Standortwechsel brachte dagegen nichts mehr. Bis zum Sonnenuntergang zeigte sich leider kein weiterer Zug.
Zurück nach Las Vegas
Für einmal stand das Programm des nächsten Tages bereits fest. Wir wollten an die Caliente Subdivision nördlich von Las Vegas. Also führte uns der Weg erneut in die Stadt, die wir auf dieser Reise inzwischen recht regelmässig ansteuerten.
Zum Znacht kehrten wir im Hofbräuhaus ein, wo es Janic besonders auf den Sausage-Tower abgesehen hatte. Lars und ich freuten uns dagegen vor allem auf eine Mass deutsches Bier. Auch die traditionelle deutsche Blasmusik durfte nicht fehlen. Anschliessend quartierten wir uns im Sahara ein, überraschend preiswert für eine Nacht in Las Vegas.
Im nächsten Teil geht es weiter an die Caliente Subdivision und zu einem Kaffee beim Hauptsitz der Mormonen.
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