Alle Reiseberichte

Reisedatum
9. Feb. 2026 – 14. Feb. 2026
Länder
Marokko
Unterwegs mit
Janic

Prolog

Im Februar 2025 wagte ich mich gemeinsam mit Noel und Janic auf ein neues Abenteuer. Zum ersten Mal unternahmen wir eine Fotoreise auf einen anderen Kontinent. Nun ja – das bereiste Land liegt «nur» auf der anderen Seite der Strasse von Gibraltar. Dennoch war ein gewisser Respekt vor dem Unbekannten vorhanden. Die damalige Reise wurde zu einem vollen Erfolg und machte sofort Lust auf mehr.

Ein Jahr später hatten Janic und ich erneut eine gemeinsame Ferienwoche geplant. Da ich kein grosser Fan kahler europäischer Winterlandschaften bin, stand bald eine zweite Reise nach Marokko im Raum. Alternativ waren auch die Türkei und Tunesien im Rennen, doch beide Destinationen schieden wetterbedingt aus. Viel besser sah es zunächst auch in Marokko nicht aus: In den Wochen zuvor hatten historische Regenfälle den Norden des Landes heimgesucht. Ganze Landstriche standen unter Wasser, und in der Wüste rund um Oujda fiel erstmals seit 25 Jahren wieder Schnee.

Gegen Anfang Februar liessen die Niederschläge langsam nach, und in den sozialen Medien tauchten immer mehr Fotos marokkanischer Fotografen auf, die eine wunderschön grüne Landschaft zeigten. Wir waren sofort angetan und wollten schon die Flüge buchen. Doch die weiterhin miserablen Wetterprognosen hielten uns davon ab – für zwei bis drei Sonnenstunden pro Tag muss man nicht nach Afrika fliegen.

So begannen am Samstag unsere Ferien, ohne dass wir eine Reise gebucht hatten. Bei der abendlichen Krisensitzung reifte jedoch der Gedanke, trotz mässiger Aussichten und ohne grosse Erwartungen nach Marokko zu fliegen. Eine Woche zu Hause zu sitzen, kam für keinen von uns infrage. Noch am selben Abend buchten wir für Montag einen Flug von Milano Malpensa nach Casablanca. Anschliessend reservierten wir bei der Mietwagenfirma unseres Vertrauens noch einen fahrbaren Untersatz.

Montag, 9. Februar 2026

In weiser Voraussicht hatte ich meinen Pass bereits am Vorabend gesucht. So musste ich am Morgen der Abreise nur noch den Koffer packen. Am späten Vormittag traf ich in Zug auf Janic, der bereits gut anderthalb Stunden Zugfahrt hinter sich hatte. Von dort gelangten wir mit einem einzigen Umstieg in Lugano ziemlich direkt nach Malpensa. Am Flughafen war dem Olympia-Zirkus kaum zu entkommen. Auf einer grossen Leinwand konnten wir das Finale des «Women’s Freeski Slopestyle» live mitverfolgen. Anschliessend gaben wir unser Gepäck am Schalter der Royal Air Maroc ab und gönnten uns eine letzte Mahlzeit auf europäischem Boden. Trotz pünktlichem Boarding hob die Boeing 737 MAX 8 mit knapp einer Stunde Verspätung ab.

Entsprechend spät landeten wir in Casablanca und nahmen die Einreiseprozedur in Angriff. Während wir auf unser Gepäck warteten, ging ich zur Bank of Africa, um Geld zu wechseln. Bei der Reise im Vorjahr war uns das Bargeld ausgegangen – diesmal wollten wir auf Nummer sicher gehen. Nach der Zollkontrolle steuerten wir die Europcar-Filiale am Flughafen an. Dort wurden uns die Schlüssel für einen brandneuen Dacia Duster übergeben. Das Fahrzeug war so neu, dass noch nicht einmal reguläre Kennzeichen montiert waren; lediglich ein provisorischer Aufkleber diente als Ersatz. Ich stellte mich innerlich bereits auf zahlreiche Polizeikontrollen ein...

Als Nächstes stand die Fahrt zum Hotel an. Noch am Flughafen in Milano hatten wir das Hôtel Equi Palace in Berrechid, unweit des Flughafens, reserviert. Das eigentlich schöne Hotel hatte allerdings deutlich unter den anhaltenden Regenfällen gelitten.

Schenkte man den Wetterberichten Glauben, würde der Dienstag zu einem reinen Fahrtag in Richtung Osten werden. Sicherheitshalber stellten wir trotzdem den Wecker – vielleicht liess sich an der «Phosphatbahn» ja doch noch etwas reissen.

Dienstag, 10. Februar 2026

Der Blick aus dem Fenster war weniger schlimm als erwartet. Vor allem im Süden zeigte sich deutlich mehr Blau als Grau am Himmel. Auf der Fahrt nach Sidi Hajjaj verzogen sich die letzten Wolken, und auch der Nebel löste sich rechtzeitig auf. Die Bühne war frei für den Al Atlas 901 von Casablanca nach Khouribga. Wie alle Personenzüge auf dieser Linie wurde er von einer E-1250-Lokomotive aus dem Hause Hitachi gezogen. Ein nettes Detail war der Gebetsteppich, der an der Sonnenblende hing.

ONCF E 1258 / Ras el Aïn – Sidi Hajjaj
ONCF E 1258 / Ras el Aïn – Sidi Hajjaj · Sidi Hajjaj, Casablanca-Settat

Bis der nächste Personenzug zurück nach Khouribga fuhr, dauerte es mehr als vier Stunden. In der Zwischenzeit hofften wir, einen Phosphatzug fotografieren zu können. Doch leider verkehrten sämtliche Güterzüge in die falsche Richtung. Gemeinsam mit einigen Fotografen aus den Niederlanden warteten wir bei Tamdrost auf den Al Atlas 903 von Casablanca nach Khouribga. Nach einem dramatischen Wolkenlotto konnte E 1257 schliesslich in der grünen Landschaft fotografiert werden.

ONCF E 1257 / Tamdrost – Moulaine el Oued
ONCF E 1257 / Tamdrost – Moulaine el Oued · Mzamza Janoubia, Casablanca-Settat

An diesem Dienstag lag noch eine lange Fahrt vor uns. Keine 15 Minuten nach unserer Abfahrt wurde ich von der Gendarmerie aus dem Verkehr gezogen. Mit 25 km/h Geschwindigkeitsüberschuss war ich durch einen Ort gefahren. In der Schweiz hätte mich das wohl vorübergehend den Führerausweis gekostet; in Marokko schlug dieses «Vergehen 3. Grades» lediglich mit 150 Dirham zu Buche, umgerechnet rund 13 Franken. Eine Lehre war es trotzdem – Zeit verliert man immer, wenn man mit der Gendarmerie zu tun hat.

Über Casablanca, Rabat und Fes erreichten wir schliesslich am späten Abend das Hotel Le Manoir in Taza. Das für die Dieselpiste sehr günstig gelegene Hotel hatten wir bereits im Vorjahr besucht. Es war zugleich das einzige Hotel östlich von Fes, das unseren «hohen» Ansprüchen genügte.

Mittwoch, 11. Februar 2026

Zu früher Stunde verliessen wir das Hotel und fuhren dem Sonnenaufgang entgegen. Nach gut anderthalb Stunden erreichten wir Mestegmer nahe Taourirt. Nach einem unkomplizierten Fussmarsch durch die Wüste stand schon bald der erste Personenzug auf dem Programm. Im schönsten Morgenlicht konnte der Al Atlas 202 von Oujda nach Tanger mit der aus den 1970er-Jahren stammenden DH 371 fotografiert werden. In naher Zukunft werden die Lokomotiven der Serien DH 350 und DH 370 durch neue Dieselloks aus China ersetzt. Die ersten beiden CRRC-Loks sind bereits im Einsatz! Umso grösser war das Glück, gleich zu Beginn eine dieser alten Maschinen zu erwischen.

ONCF DH 371 / Taourirt – Oued Metlili
ONCF DH 371 / Taourirt – Oued Metlili · Mestegmer, Region Oriental

Für den Al Atlas 503 aus Beni Ansar fuhren wir an die bei Taourirt abzweigende Stichstrecke. Eine Stelle war schnell gefunden, doch das Endergebnis mit Zug vermochte mich nicht zu überzeugen. Anschliessend fuhren wir für den zweiten Zug aus Oujda erneut durch Taourirt und passierten zum wiederholten Mal den Polizeicheckpoint. Da unser brandneuer Mietwagen kein reguläres Kennzeichen besass, sondern lediglich einen provisorischen Sticker, rechnete ich mit erhöhtem Interesse seitens der Gendarmerie Royale. Doch die Beamten interessierten sich offenbar vor allem für überladene Nutzfahrzeuge.

Einige Kilometer östlich von Douar Oulad Ramdan befindet sich jene Stelle, an der wir bereits im Vorjahr den Al Atlas 204 fotografiert hatten. Wegen der nur mässig ausgeleuchteten Front und eines Generatorwagens im Altlack direkt hinter der Lok wiederholten wir das Motiv etwas weiter hinten in der Kurve.

ONCF DH 420 / Taourirt – Oued Metlili
ONCF DH 420 / Taourirt – Oued Metlili · Gteter, Region Oriental

Auch für den Al Atlas 206 blieben wir in der Region um Taourirt. Wir positionierten uns auf einer kleinen Strassenbrücke und zogen dabei einige neugierige Blicke auf uns. Ansprechen wollte uns niemand, doch die meisten Passanten musterten uns interessiert. Bei der Siedlung Douar Oulad Ramdan konnte die DH 417 mit dem Schnellzug nach Casablanca fotografiert werden.

ONCF DH 417 / Oued Metlili – Taourirt
ONCF DH 417 / Oued Metlili – Taourirt · Douar Ouled Ramdane, Region Oriental

Beim Studium des Fahrplans wurde mir klar, dass eine Verfolgung des Al Atlas 206 durch Taourirt möglich sein müsste. Kaum war das Bild bei Douar Oulad Ramdan im Kasten, gingen wir zügig zum Auto und fuhren nach Gteter. Das Einfahrsignal stand auf Halt, und den Zug hatten wir ebenfalls nicht gesehen. Entweder hatten wir ihn knapp verpasst – oder er würde noch kommen. Ein Blick in die ONCF-App zeigte, dass der Gegenzug Al Atlas 301 mit 20 Minuten Verspätung unterwegs war. Eine Viertelstunde nach Plan war unser Zug mit der DH 417 in der Ferne zu hören und kurz darauf auch zu sehen. Wenig später gelang das zweite Foto des Schnellzuges aus Oujda.

ONCF DH 417 / Taourirt – Guercif
ONCF DH 417 / Taourirt – Guercif · Gteter, Region Oriental

Anschliessend fuhren wir zu einer Abendstelle östlich von Taourirt. Pünktlich zum Al Atlas 301 waren allerdings auch die Wolken vor Ort, und wir kassierten einen Wolkenschaden. Angesichts der Wetterprognosen konnte sich die Ausbeute dieses Tages dennoch sehen lassen.

Am Abend kehrten wir in ein marokkanisches Restaurant ein, wo ich mir eine Grillplatte mit Merguez, Shawarma, Viande Hachée, Grillgemüse und labberigen Pommes gönnte. Janic bestellte ein Cordon Bleu, das sich als paniertes Hähnchenschnitzel mit Trutenschinken und Cheddar obendrauf entpuppte. Im Marjane Market kauften wir noch einige Getränke, ehe wir uns wieder ins Hotel zurückzogen.

Donnerstag, 12. Februar 2026

Zum ersten Mal überhaupt konnten wir im Hotel Le Manoir das Frühstück geniessen. Besonders angetan hatte es mir das marokkanische Fladenbrot M'smen. Auf dem Fernseher lief währenddessen ausgerechnet ein Film über die Berninabahn. Anschliessend fuhren wir auf der Auto(renn)bahn durch die Wüste in Richtung Osten.

Geeignete Stellen für den Al Atlas 202 gibt es nicht besonders viele. Entsprechend wenig überraschend war es, dass wir an einer Stelle nahe Gteter auf zwei Fotografen aus dem Vereinigten Königreich trafen. Nachdem wir eine halbe Stunde im Schatten gestanden hatten, löste sich das Wolkenfeld gerade rechtzeitig zur planmässigen Durchfahrt des Schnellzuges aus Oujda auf. Kurz darauf hörten wir in der Ferne bereits die Diesellok. Wie am Vortag war die DH 371 für die Bespannung bis Fes eingeteilt.

ONCF DH 371 / Guercif – Taourirt
ONCF DH 371 / Guercif – Taourirt · Gteter, Region Oriental

Nachdem wir den Al Atlas 202 bei Gteter fotografiert hatten, nahmen wir die Verfolgung auf. Stellen für diesen Zug gibt es nicht viele, doch am Ortsrand von Taza existierte eine Kurve, in der die Lok zumindest etwas Frontlicht abbekommen sollte. Nach einer Stunde Fahrt erreichten wir Taza, wo wir nur noch über eine kleine Strasse zur Fotostelle fahren mussten. Von dieser Strasse war nach den Unwettern der vergangenen Wochen allerdings nicht mehr viel übrig. Nach einigen Hundert Metern mussten wir uns geschlagen geben und das Auto parkieren. Selbst die Einheimischen mit ihren 4x4-Pick-ups trauten sich nicht, die Strasse zu befahren – zu gross war die Gefahr, stecken zu bleiben. Nun hiess es, schnellen Schrittes durch den Matsch zu gehen und unter Zeitdruck einen vollkommen durchnässten, rutschigen Hang hinaufzusteigen. Kaum war ich oben angekommen, tauchte auch schon die DH 371 mit dem Al Atlas 202 aus Oujda auf.

ONCF DH 371 / Taza – Safsafat
ONCF DH 371 / Taza – Safsafat · Galdamane, Fez-Meknes

Nach den schweren Unwettern im Januar und Februar war der Pegelstand des Barrage Idriss 1er aussergewöhnlich hoch. Gleichzeitig zeigte sich die Landschaft in einem ungewohnt kräftigen Grün. So entstanden an diesem Nachmittag auch Aufnahmen, die alles andere als typisch für Marokko sind.

Für den Al Atlas 204 von Oujda nach Tanger positionierten wir uns am Nachmittag des 12. Februar bei Oulad Ayyad. Wie es der Zufall wollte, befand sich ein Schäfer mit seiner Herde genau auf jener Wiese, auf die wir wollten. Seine Hirtenhunde bellten uns wie wild an, hielten glücklicherweise aber Abstand. Mir war die Erleichterung wohl deutlich anzusehen, als in der Ferne langsam die Diesellok zu hören war. Auch der Schäfer erkannte nun, dass unser Interesse nicht ihm, sondern der Eisenbahn galt. Kurz darauf konnte die DH 428 mit dem Al Atlas 204 fotografiert werden. Mit einem absoluten Highlight in der Tasche machten wir uns auf den Rückweg zum Auto – das wir glücklicherweise ohne Hundebiss erreichten.

ONCF DH 428 / Touabaa – Matmata
ONCF DH 428 / Touabaa – Matmata · Oulad Ayyad, Fez-Meknes

Für den letzten bei Tageslicht verkehrenden Schnellzug ab Fes fuhren wir in die Kehren von Sidi Harazem. Der Al Atlas 303 kündigte sich bereits aus der Ferne durch die markanten Motorgeräusche der EMD GT26CW-2 an. Mit dem Foto der DH 371 gelang ein passendes Abschlussbild für diesen äusserst erfolgreichen Tag.

ONCF DH 371 / Ain Sbit – Sidi Harazem
ONCF DH 371 / Ain Sbit – Sidi Harazem · Ras Tabouda, Fez-Meknes

Aus Zeitgründen verzichteten wir auf einen Besuch in einem konventionellen Restaurant und entschieden uns stattdessen für McDonald’s. Schliesslich dauert es in marokkanischen Restaurants bisweilen eine halbe Ewigkeit, bis das Essen auf dem Tisch steht.

Beim Tankstopp wollte der Tankwart mit mir über seine Lieblingsspieler von Borussia Dortmund sprechen. Nun ja – es war eine ziemlich einseitige, aber durchaus amüsante Unterhaltung. Im Hotel schmiedeten wir noch einen Plan für den nächsten Tag, ehe es ins Bett ging.

Freitag, 13. Februar 2026

Die Wetterprognosen für den Morgen des 13. Februar verhiessen nichts Gutes. Wir entschlossen uns deshalb, den Al Atlas 202 aus Oujda fahren zu lassen. Pünktlich zum Al Atlas 503, der Beni Ansar mit Casablanca verbindet, wollten wir jedoch wieder an der Strecke stehen.

Von den prognostizierten Wolken war weit und breit nichts zu sehen. Auf der Fahrt zur Fotostelle entdeckten wir in der Ferne allerdings Sandstürme – eine wenig erfreuliche Vorankündigung für den Nachmittag. Vorerst hatten wir noch Glück: Abgesehen von etwas Sand in den Augen kamen wir glimpflich davon. Die Sonne beschien die Szenerie ungestört, als die DH 410 mit dem Schnellzug die Bühne betrat.

ONCF DH 410 / Taourirt – Melg el Ouidane
ONCF DH 410 / Taourirt – Melg el Ouidane · Gteter, Region Oriental

Am Nachmittag hatten wir östlich von Taourirt mit Sandstürmen zu kämpfen. Wir wollten dennoch unser Glück bei El Aïoun versuchen, mussten aber allmählich einsehen, dass Licht und Fernsicht immer schlechter wurden. Also kehrten wir nach Taourirt um und erwarteten bei Mestegmer den nächsten Westfahrer.

Zu unserer Überraschung führte der Al Atlas 206 ab Oujda einen Liegewagen zur Überführung mit. Dieser war gut sichtbar direkt hinter der DH 428 eingereiht.

ONCF DH 428 / Oued Metlili – Taourirt
ONCF DH 428 / Oued Metlili – Taourirt · Mestegmer, Region Oriental

Für die beiden letzten Ostfahrer des Tages gibt es nur eine Handvoll geeigneter Stellen. Neben den bekannten Ansichten bei El Aïoun dreht die Strecke auch hinter Taourirt weit genug, um den Al Atlas 301 passend fotografieren zu können. Zwei Tage zuvor waren wir bereits an dieser Stelle gewesen und hatten einen Wolkenschaden kassiert. Am 13. Februar kam es deshalb zur Wiederholung. Mit der DH 414 an der Spitze konnte der Al Atlas 301 auf seiner Fahrt nach Oujda fotografiert werden.

ONCF DH 414 / Oued Metlili – Taourirt
ONCF DH 414 / Oued Metlili – Taourirt · Douar Ouled Ramdane, Region Oriental

Nun stand die knapp 250 Kilometer lange Fahrt nach Fes an. Eigentlich nicht der Rede wert – doch kaum waren wir auf die Autobahn aufgefahren, gerieten wir in einen apokalyptisch anmutenden Regensturm. Der Starkregen zog die Fahrt deutlich in die Länge. Kurz nach 20 Uhr erreichten wir schliesslich die älteste der vier historischen Königsstädte Marokkos.

Nach einem schnellen Abendessen steuerten wir das Hotel Mia an, das wir bereits im Vorjahr besucht hatten. Offenbar hatte die Hoteldirektion inzwischen in neue Keycards investiert, denn der wiederholte Gang zur Rezeption und zum Sicherheitsdienst blieb uns dieses Mal erspart.

Samstag, 14. Februar 2026

Nach zwei besonders regenintensiven Tagen am Stausee standen wir am 14. Februar vor einer schwierigen Entscheidung: Wolkenlotto am See oder Bilderbuchwetter in der Wüste? Eigentlich eine klare Sache – doch Fotos aus der Region um Taourirt hatten wir in den vergangenen Tagen bereits zur Genüge gemacht. Also fuhren wir am Morgen nach Matmata, wo wir den ersten Ostfahrer des Tages erwarteten.

Gemäss ONCF-App sollte der Zug pünktlich verkehren, und zur Planzeit befand sich ein grosses Wolkenloch über dem See. Beste Voraussetzungen also. Doch der Schnellzug wollte und wollte nicht auftauchen. Nach beinahe drei Viertelstunden wurden wir schliesslich vom unverkennbaren Sound der Diesellok erlöst. Mit dem Al Atlas 101 aus Casablanca am Haken konnte die DH 417 auf der Fahrt nach Beni Ansar fotografiert werden.

ONCF DH 417 / Touabaa – Matmata
ONCF DH 417 / Touabaa – Matmata · Zaouia Sidi Abdeljalil, Fez-Meknes

Nach diesem Bild hatten wir unser Glück zunächst ausgereizt: Die nächsten drei Züge erlitten einen Wolkenschaden, und der vierte bekam immerhin etwas Sonne ab. Wirklich zufriedenstellend war das Ergebnis trotzdem nicht.

Ebenfalls nicht zufriedenstellend war der Reifendruck unseres Dacia. An der Cepsa-Tankstelle in Bir Tam Tam fanden wir einen Luftdruckautomaten. Dieser liess sich allerdings offenbar nur unter fachmännischer Bedienung eines Berbers zur Mitarbeit bewegen. Mit wieder genügend Luft in sämtlichen Reifen nahmen wir den Kampf gegen die Wolken erneut auf.

Am späteren Nachmittag hatten wir nochmals Glück und konnten bei Oulad Ayyad den Al Atlas 204 von Oujda nach Tanger fotografieren. Der Schnellzug war mit der DH 373 bespannt, einer von zwei EMD GT26CW-2 aus den 1970er-Jahren, die während unseres Besuchs täglich auf der Dieselpiste im Osten unterwegs waren.

ONCF DH 373 / Touabaa – Matmata
ONCF DH 373 / Touabaa – Matmata · DR Mwalda, Fez-Meknes

Damit war unser gemeinsamer Teil der Reise beendet. Wir traten die Fahrt zurück nach Casablanca an und bezogen das Flughafenhotel Onomo. Anschliessend brachten wir den frisch gewaschenen Dacia Duster zu Europcar zurück, wo der Mietwagen ohne Beanstandungen entgegengenommen wurde. Wenn die gewusst hätten wie der mit einer Dreckpanade überzogen war... Da wir den Shuttlebus zum Hotel knapp verpasst hatten, blieb uns nichts anderes übrig, als über die Schnellstrasse zum Flughafenhotel zu spazieren.

Janic musste am nächsten Morgen die Rückreise in die Schweiz antreten. Ich hingegen hatte das Glück, dass in Luzern die Fasnacht bevorstand und mir noch einige freie Tage blieben. Für einen symbolischen Betrag konnte ich meinen Flug bei Royal Air Maroc umbuchen und hatte damit vier weitere Fototage vor mir – sofern das Wetter mitspielen würde.

Wie es weiterging, ist im nächsten Teil von «Marokko mit Grünstich» zu lesen.

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